No Hoof - No Horse

Gesunde Hufe sind ganz wesentlich für das Wohlergehen Ihres Pferdes. Wir haben einem Hufschmied bei der Arbeit über die Schulter geschaut.

Sunny hat ein Problem: Die 19-jährige hübsche Traberstute hat eine Zyste am Strahlbein. Zusammen mit ihrer Besitzerin Sabrina Artzenroth warten wir auf den Hufschmied Stefan Büscher, der Sunny bereits seit acht Jahren betreut.

Hufschmied Büscher kennt die Stute genau: "Sie neigt zu Hufgeschwüren, außerdem ist sie männerfeindlich", lacht er. Doch durch sein ruhiges Wesen und seine freundliche Art konnte er Sunny von sich einnehmen, sodass die beiden jetzt gute Freunde sind.

Zunächst lässt sich Stefan Büscher die Stute vorführen. "Das ist für mich zu Anfang das Wichtigste. Nur so kann ich erkennen, wie die Stellung des Hufes ist, oder wo der Huf vermehrt belastet wird, um dann eventuelle Stellungsfehler ausgleichen zu können." Dieses Vorgehen erfüllt auch gleichzeitig eine Kontrollfunktion. Lahmheiten, die das Pferd schon hat, können so unmittelbar erkannt werden. "Gerne wird der Schmied ja beschuldigt eine Lahmheit auszulösen, das möchte ich so umgehen", lächelt Büscher.

Hufbeschlag nach MaSS

Stefan Büschers Diagnose steht schnell fest: Der Huf muss so beschlagen werden, dass das Bein entlastet wird. Dies erreicht der Schmied, in dem ein Steg in das Eisen integriert wird. Sunny erhält nur sehr kurze Eisen. In all den Jahren hat sich gezeigt, dass lange Eisen nicht gut für sie waren, da die Stute immer wieder zu Lahmheiten neigt. Seitdem Büscher den Beschlag auf kurze Eisen umgestellt hat, treten keine Probleme mehr auf.

Seine Erfahrungen sammelte der gelernte Industriemechaniker in Münster. An der staatlich anerkannten Lehrschmiede von Ernst Niemerg erlernte er den Beruf des Hufschmiedes. Ein begleitendes einjähriges Praktikum diente der Praxisorientierung. Heute versorgt er ca. zehn Pferde am Tag. Die meisten Pferde laufen "barfuß" oder werden nur an den Vorderhufen beschlagen. Hier nutzen sich die Hufe aufgrund der stärkeren Belastung schneller ab und müssen deshalb durch ein Eisen geschützt werden. Nur etwa ein Drittel der von ihm betreuten Pferde haben einen Rundumbeschlag, meist sind dies Sportpferde.

Hufprobleme durch nicht optimale Haltung

Die Qualität der Hufe lässt aufgrund der Haltung der Pferde immer öfter zu wünschen übrig. Oft werden die Tiere nur auf Sand bewegt und kommen auf die Wiese. Eine Belastung auf ständig wechselnden Böden wäre hingegen ideal. Dabei würde sich der Huf natürlich abnutzen und auch die Festigkeit der Sehnen und Bänder würde gestärkt. Natürlich will auch ein gesunder Huf gepflegt werden. "Hier ist es wichtig, dass das Einstreumaterial immer schön trocken gehalten wird", meint der Hufschmied. "Fäulniserreger dringen gern in einen aufgeweichten Huf ein und können dort großen Schaden anrichten. Haltung und Pflege sind das A und O."

Pflege ist das A und O

Doch nicht alle Pflegeprodukte halten das, was die versprechen. Viele sind überflüssig und bringen laut Büscher überhaupt nichts. Huföle und Fette bewirken meist das Gegenteil dessen, was man erreichen will. So kann ein eingefetteter Huf kein Wasser aufnehmen, weil er sozusagen abgedichtet wird. "Bei trockenen Hufen ist es aber besonders wichtig, dass sie zu-sätzliche Feuchtigkeit aufnehmen können", erklärt Büscher. Auch sollte eine zu starke Reinigung der Hufe vermieden werden. "Reinigungsmittel reagieren aggressiv und zu allem Überfluss wird auch oft noch mit scharfen Bürsten oder anderen Gegenständen hantiert. Die Hufe sollten nur ab und zu mit frischem Wasser gereinigt und regelmäßig ausgekratzt werden. Eine Massage mit einer Bürste, insbesondere am Kronrand, bewirkt, dass abgestorbene Zellen abgetragen werden und die Durchblutung gefördert
wird. So wird die Neubildung des Horns angeregt", erläutert der Experte.

Bei extrem schlechter Hornqualität empfiehlt sich auch die Gabe von Biotin. Ergebnisse sieht man aber nur dann, wenn es regelmäßig verfüttert und in entsprechender Dosierung und Zusammensetzung eingesetzt wird. Mindestens über eine komplette Wachstumsphase des gesamten Hufes sollte eine zusätzliche Gabe erfolgen, hierbei spricht man von einem Zeitraum von ungefähr einem Jahr. Erst dann beginnt das Gewebe sich zu stabilisieren. Nicht vergessen sollte der Pferdebesitzer auch, dass der Schmied regelmäßig die Hufe des Pferdes bearbeiten sollte. Angemessene Abstände von etwa acht bis zehn Wochen sind je nach Pferd, Hufwachstum
und Art der Arbeit einzuhalten.

Der Beruf des Hufsschmiedes ist sicherlich kein einfacher. Die körperliche Belastung ist hoch und auch die Gefahr ist nicht zu unterschätzen. Ob er schon einmal schwer verletzt worden ist, wollen wir wissen. "Ja, damals bekam ich einen Tritt in die Nieren, aber Gott sei Dank gab es keine bleibenden Schäden", erinnert sich der Hufschmied. Oft erschweren schlecht erzogene Pferde und schlechte Bedingungen Stefan Büschers Arbeit. Ideal sind Plätze, die hell und eben sind sowie Schutz vor Witterung geben. Leider ist das nicht immer der Fall. "Besonders wichtig sind saubere Bedingungen beim Aufbrennen der Hufeisen", erklärt Stefan Büscher. "Gerade beim Brennen erkennt man, ob die Nägel gut positioniert sind. Der Beschlag muss exakt auf der "weißen Linie" erfolgen, also dem Bereich des Hufes, den keine Blutgefäße durchlaufen und der für das Tier gefühllos ist." Stefan Büscher ist ein überzeugter Vertreter des "Warmbeschlags", also vom Aufbrennen des Eisens auf den Huf. "Dies macht die Fläche glatter und die Eisen halten auch besser." Viele Pferde mögen aber den Rauch nicht, der beim Aufbrennen entsteht. Sie werden regelrecht panisch. "Da helfen auch keine Tricks, um die Pferde ruhig zu stellen oder zu fixieren", erklärt Büscher, "hier muss man eben kalt beschlagen." Sein bisher schwierigster Fall war ein Pferd, welches an Hufrehe erkrankt war. Hier hatte sich aufgrund des Entzündungsprozesses bereits das Hufbein abgesenkt. "Ein Pferd zu beschlagen mit solch einer Krankheitsgeschichte, das ist schon eine Herausforderung", erklärt Stefan Büscher. "Hier ist die Zusammenarbeit mit dem Tierarzt besonders wichtig. In Fällen wie diesem ist eine optimale Behandlung des Pferdes nur über eine gute Kooperation zwischen Hufschmied und Arzt zu sichern."

Hufgesundheit mit dem richtigen Futter

Neben der Veranlagung, der Haltung, der Hufpflege und der Umwelt spielt die ausgewogene Ernährung eine elementare Rolle für den Huf. Das zu den B-Vitaminen gehörende Biotin darf ebenso wenig fehlen wie die Spurenelemente Zink und Selen.

Zink und Biotin stellen das Wachstumsprogramm des Hufes sicher. Vorstellen kann man sich das Wirken dieser Stoffe wie den Bau einer Mauer: Nur, wenn ausreichend Zement und Kalk dem Mörtel beigemischt werden, bindet dieser die Steine aneinander. Ähnliches tun Zink und Biotin für das Horn des Hufes.

Zink

Das Spurenelement Zink beeinflusst maßgeblich die Festigkeit des Hufhorns, die Epithelregeneration von Haut und Schleimhaut sowie die Mineralisierung des Knochens. Zink ist eine Strukturkomponente der Knorpelmatrix. Bei schlechter Hornqualität ist es sinnvoll, in Futtermittelergänzungen eine zusätzliche Gabe von Zink zuzuführen.

Biotin

Auch bekannt unter dem Namen Vitamin H "Hufschutzvitamin", hat Biotin eine zentrale Bedeutung für Haut und Haar und ganz besonders bei der Gesunderhaltung des Hufhorns. Eine tägliche Gabe von wenigstens 15 Milligramm über einen längeren Zeitraum hinweg ist erforderlich, um die Qualität des Hufhornes maßgeblich zu verbessern. Hier geht man von einer Wachstumsrate aus, in der der Huf sich komplett erneuert. Dieser Vorgang dauert mehrere Monate.

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  • Mon, 19 Jul 2010 00:00:00 GMT
  • In der Nacht vom 15. zum 16.07. war es soweit - die letzte Chance zum einsenden eines Fotos für den diesjährigen Fotowettbewerb. Mit 180 Fotos war die Teilnahme in diesem Jahr besonders groß und insbesondere die Qualität...
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