Das Glück dieser Erde liege auf dem Rücken der Pferde, heißt es. Zunächst einmal liegt da der Sattel.
Ohne diesen hätten die meisten Reiter so ihre Schwierigkeiten, auf dem Pferderücken ihr Glück zu finden.
Attila, die „Geißel Gottes“, der gefürchtete Dschingis Khan: Ihre hunnischen und mongolischen Reiter hätten Europa wohl kaum so in Schrecken versetzen können, wenn diese Sattel und Steigbügel nicht gekannt hätten. Denn nur so, aus einem festen Sitz heraus, konnten sie ihre drahtigen Steppenpferde lenken und gleichzeitig mit dem Hörnerbogen treffsicher auf den Feind zielen. Und auch ihre Gegner, die schwer gepanzerten Ritter des Mittelalters, hätten sich ohne den Sattel schwerlich auf einem Pferd halten können. Als moderner Freizeit- oder Turnierreiter tut man gut daran, auf den richtigen Sattel zu setzen, wenn die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd funktionieren soll.
Einfache Sättel, noch ohne Steigbügel, kennt man bereits aus dem Altertum. Es waren mehr oder weniger simple aufgepolsterte Sattelkissen, die dem Sitzen auf dem Pferderücken etwas mehr Komfort gaben. Aus den Erfordernissen der Kriegsreiterei entstand später bei den Kelten und Römern der sogenannte Hörnersattel, dessen besondere Form dem Reiter auch ohne Steigbügel viel Halt gab und das Aufsitzen sehr erleichterte. Im frühen Mittelalter kam ein Satteltyp auf, den man Bock- oder Trachtensattel nennt. Ursprünglich war es ein Packsattel: Zwei Seitenbretter, die Trachten, liegen rechts und links am Pferd an und sind vorne und hinten durch bogenförmige Holzbretter – Vorder- und Hinterzwiesel – miteinander verbunden. Diese Sattelform war hervorragend geeignet, um einerseits viel Gepäck sicher auf dem Tier zu befestigen und andererseits den Rücken des Tieres zu schonen und dadurch längere Wege sicher zurückzulegen. Die erste Maßnahme zur Verwendung dieser Sättel als Reitsättel war, sie mit Kissen oder Decken aufzupolstern.
Im Prinzip hat sich an dieser Grundform des Sattels über die Jahrhunderte bis heute nicht viel geändert. Was nicht heißen soll, dass die Entwicklung stehen geblieben ist. Im Gegenteil: In der Konstruktion eines modernen Sattels ist sozusagen die Essenz des Wissens von Generationen von Sattlern und Reitern versammelt. Ein guter Sattel ist einer der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände beim Reiten. Denn nur mit dem richtigen Sattel fühlen Sie und Ihr Pferd sich beim Reiten wirklich wohl und die Kommunikation zwischen Ihnen und dem Pferd funktioniert.
Im Laufe der Jahrhunderte haben sich eine Vielzahl von Satteltypen herausgebildet. Von Bedeutung sind dabei heute vor allem der klassische englische Reitsattel, der Westernsattel sowie einige spezielle Satteltypen wie der Töltsattel, der Friesensattel, der Militärsattel oder auch der Damensattel. Bei den klassischen englischen Reitsätteln haben sich vor allem drei Typendurchgesetzt: der Dressur-, der Spring- und der Vielseitigkeitssattel.
Ein Dressursattel ist steil geschnitten und verfügt in der Regel über einen tiefen Sitz. Er ist auf das Reiten mit langen Bügeln ausgerichtet. Zum Springen eignet sich dieser Sattel nicht, da er hierfür nicht ausreichend Halt bietet. Auch für das Gelände und heftige Pferde ist der Dressursattel nur bedingt geeignet.
Anfänger fühlen sich in einem Dressursattel oft unsicher.
Ein Springsattel ist im Vergleich zum Dressursattel weiter vorgebaut. Die Sattelblätter sind kurz und schräg nach vorne geneigt. Dadurch wird das Reiten mit kurzen Bügeln als Voraussetzung für den leichten Sitz ermöglicht. In der Regel sind Springsättel vom Verlauf der Sitzkurve her eher flacher gehalten.
Der Vielseitigkeitssattel ist eine Mischung aus Dressursattel und Springsattel. Er ist als Vielseitigkeitssattel-Schwerpunkt-Springen (VSS-Sattel) und Vielseitigkeitssattel-Schwerpunkt-Dressur (VSD-Sattel) erhältlich. Diese Mehrzwecksättel eignen sich für eine solide Grundausbildung von Pferd und Reiter.
Ein guter Sattel sollte sowohl Ihnen als auch Ihrem Pferd optimal passen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei für den Reiter die Größe der Sitzfläche und für das Pferd die Kammerweite. Wie groß die Sitzfläche sein muss, hängt hauptsächlich von Körpergröße und Gewicht des Reiters ab. Kleine und zierliche Reiter brauchen eine kleine Sitzfläche, die Ihnen Halt gibt. Ist die Sitzfläche zu groß, rutschten Sie darauf hin und her und können nicht ausbalanciert sitzen. Kräftig gebaute Reiter mit langen Beinen brauchen eine große Sitzfläche, damit sie sich nicht ständig selbst aus dem Sattel schieben. Nicht nur der Reiter muss sich im Sattel wohlfühlen, auch das Pferd darunter. Damit der Sattel richtig liegt, sind zwei Faktoren wichtig: die Kammerweite und die Form der Polster. Schlanke Pferde mit einem hohen Widerrist brauchen eine schmale Kammer, sodass der Sattel nicht auf dem Widerrist aufliegt. Die Kammer muss aber dennoch so geschnitten sein, dass das Polster in ganzer Länge auf dem Pferderücken aufliegt und keine Brücke bildet. Pferde mit einem kräftigen Rücken und wenig Widerrist brauchen eher eine breite, flache Kammer, damit der Sattel Halt auf dem Rücken findet.
Bei der Anschaffung Ihres Sattels sollten Sie jegliche Schnäppchenmentalität zu Hause lassen. Ein guter Sattel hat seinen Preis, aber er dankt es Ihnen mit Langlebigkeit und einer optimalen Passform. Ganz wichtig ist eine kompetente und ausführliche Fachberatung. Es mag sein, dass man auch im Internet-Versandhandel an einen brauchbaren Sattel kommen kann, aber selbst ein ausgewiesener Experte wird es schwer haben, lediglich von den Abbildungen und Beschreibungen her den optimalen Sattel zu wählen. Im guten Fachhandel lässt man Sie mit dieser Entscheidung nicht allein, renommierte Markenhersteller wie Stübben bieten auch an, einen Probesattel mitzunehmen und diesen in verschiedenen Situationen auf dem Pferd zu prüfen.
Darauf sollten Sie beim Sattelkauf achten:
Die sogenannte Kammerweite bestimmt die Größe des Sattelteiles, das vorne, auf den Schultern des Pferdes, zum Liegen kommt. Die benötigte Kammerweite für das Pferd hängt deshalb von der Lage der Schultern und Breite der Schulterblätter ab. Die angegebenen Kammerweiten der Sättel sind allerdings nicht einheitlich und somit nicht direkt vergleichbar. Es sind herstellerspezifische Angaben, die vom Typ des jeweils verwandten Sattelbaums abhängen.
Sättel mit einer engen Kammerweite eignen sich ideal für Pferde mit hohem Widerrist. Da die höchste Stelle des Widerristes nicht mit dem Sattel in Berührung kommt, werden unangenehme Reibungen oder Druckstellen vermieden.
Die Sitzflächengröße der gängigen Sattelmodelle liegt zwischen 16 und 18,5 Zoll. Dabei gilt es zu beachten, dass die Hersteller die Größen unterschiedlich messen. Das heißt, ist die Sitzfläche des alten Sattels laut Hersteller 16 Zoll groß, sollten Sie nicht einfach ein anderes Modell dieser Größe kaufen und davon ausgehen, dass der Sattel die richtige Größe hat. Ein Probesitzen ist unerlässlich.
Mehr als 100 Jahre Erfahrung mit der Anfertigung von Sätteln: Wegen ihrer handwerklichen Perfektion sind Sättel von Stübben bekannt und gefragt. Der Marketingleiter Wolf Zimmermann, erklärt, worauf es beim Sattelkauf ankommt.
Hufeisen: Herr Zimmermann, woran erkenne ich beim Kauf einen guten Sattel?
Wolf Zimmermann: Es ist für einen Laien nicht immer ganz einfach, einen guten Sattel zu erkennen. Wenn in einem Geschäft diverse schwarze Sättel nebeneinander hängen, sieht einer aus wie der andere. Im Geschäft sollte man dann auf Folgendes achten: Der Sattel sollte natürlich in sich stabil sein, d. h., das Leder sollte eine gewisse Stärke haben. Es kann sein, dass ein Sattel deswegen anfangs sogar etwas „sperrig“, dafür aber in der Regel langlebiger ist. Nachdem er „eingeritten“ ist, bietet der Sattel dann denselben Komfort. Die Unterseite des Sattels sollte gleichmäßig und möglichst eben verlaufen, d.h. keine Knoten oder Beulen aufweisen, und weich aber nicht schwammig sein. Ein Sattel ist jedoch immer ein Handwerksprodukt, d. h. es ist niemals eine Kissenfüllung exakt so wie andere. Ein Sattel sollte symmetrisch sein, d. h., wenn man den Sattel von hinten betrachtet, sollte der Kissenkanal mittig verlaufen.
Hufeisen: Mein Pferd hat sich in der Statur geändert. Kann der Stübben-Sattel angepasst werden?
Wolf Zimmermann: Dem Reiter wird vielfach suggeriert, dass Sättel diverser Hersteller einfach und beliebig verstellbar sind. Das ist zum Teil unseriös. Zum einen gibt es verstellbare Kopfeisen, die im Gebrauch nicht formkonstant sind, d.h. die sich bei extremen Temperaturen oder hohem Druck (Transport im überhitzten Auto, Landephase bei Sprung) verziehen oder nachgeben und dann auf den Widerrist des Pferdes drücken (Satteldruck!). Zum anderen wird oftmals vergessen, dass sich, wenn man den Sattelbaum im vorderen Bereich ändert, auch der Schwerpunkt, d.h. die Lage des Sattels auf dem Pferd komplett ändert. Dass hinten ebenfalls etwas angepasst werden muss, was wiederum mit Kosten verbunden ist, wird vielfach nicht erwähnt. Unsere Sättel kann man zum einen durch Umpolstern um eine Kammerweite nach oben oder unten verändern. Natürlich muss man auch hier die Polsterung im hinteren Bereich angleichen. Bei extremen Veränderungen sollte man den Sattelbaum austauschen und natürlich wiederum das Kissen korrigieren. Da wir einen sehr hochwertigen Sattelbaum verwenden, ist das allerdings recht kostspielig. Eine einfache und günstige Möglichkeit besteht darin, die Orte mit Filz zu unterlegen. So kann man auch mehr als eine Kammerweite abändern. Auch hier muss jedoch die Polsterung im hinteren Bereich angeglichen werden.
Hufeisen: Fertigt die Firma Stübben auch Sättel nach Maß?
Wolf Zimmermann: Wir sprechen bei uns von einer Maßkonfektion. Es gibt unzählige Möglichkeiten an Modellen und Zuschnitten. Darüber hinaus kann man auch viele Sonderwünsche erfüllen. Unsere Kunden können sich gerne individuell beraten lassen. Da wir über den Fachhandel verkaufen, hängt natürlich viel vom Wissen des Verkäufers ab.
Hufeisen: Welche Leistungen an Beratung und Service darf ich von einem guten Fachgeschäft erwarten?
Wolf Zimmermann: Zunächst einmal möchte ich hier bemerken, dass Sattelverkauf auch eine Dienstleistung ist, die bezahlt werden muss. Gerade im „Geiz-Ist-Geil-Zeitalter“ ist der billigste Sattel nicht immer der Beste. Guter Service sollte selbstverständlich sein, aber er ist ein nicht unwesentlicher Kostenfaktor. Klar, dass ein Sattel, der über eBay angeboten wird, billiger ist, als ein durch den Fachhändler persönlich angepasster. Selbstverständlich sollte für den Fachhändler sein, dass er sich persönlich im Stall ein Bild von Pferd und Reiter verschafft. Ideal ist ein Vorgespräch im Geschäft, um schon einmal eine Vorauswahl zu treffen. Der Händler sollte gemeinsam mit dem Kunden so ca. 3 Modelle in die engere Wahl nehmen, um diese dann auf das Pferd zu legen, den Reiter kurz Probe reiten lassen und dann das Zusammenspiel von Pferd und Reiter zu beobachten. Dabei kann ruhig erst einmal ein Kompromiss bzgl. der Passform eingegangen werden, da der Händler unmöglich alle Sättel in allen Größen vorrätig haben kann. Wichtig ist, den Sattel auf dem Pferd im Stehen wie auch in der Bewegung zu beurteilen. Natürlich kann ein Sattel nicht eine Woche Probe geritten werden, da dies für den Händler einen unverhältnismäßig hohen Wertverlust bedeuten würde. Für Unentschlossene bietet Stübben die Möglichkeit an, über den Fachhändler das eine oder andere Modell zum Probieren auszuleihen. So kann man sich über bis zu zwei Wochen einen Eindruck verschaffen. Die meisten Sättel werden wie gesagt nach den Angaben des Fachhändlers gefertigt. Nach der Sattelprobe gibt dieser also die Maßangaben an uns weiter und wir beginnen mit der Produktion. Nach ca. 4 Wochen ist der Sattel dann fertig. Der Fachhändler sollte den Sattel dann ausliefern und ihn zwecks Kontrolle noch einmal auf das Pferd legen und den Reiter und das Pferd in der Bewegung beobachten. In seltenen Fällen muss er noch einmal die Polsterung geringfügig kontrollieren.
Hufeisen: Herr Zimmermann, vielen Dank für die interessanten Informationen.