Wildpferde im Merfelderbruch

Foto: © Dieter Schinner

Zuerst ist es nur leiser Hufschlag. Dann wird das Getrommel lauter und lauter, tausend Hufe stampfen auf die Erde - eingehüllt in eine Staubwolke stürmt die Herde der Wildpferde in die Arena. Immer am letzten Samstag im Mai wird im Merfelder Bruch die einzige Wildpferdeherde Europas zusammengetrieben.

Wildpferde in Deutschland? Die gibt"s - im südlichen Münsterland bei Dülmen. Hier, im Merfelder Bruch, leben in einem 350 ha großen Naturschutzgebiet die Dülmener Wildpferde schon seit hunderten von Jahren in freier Wildbahn.

Herde von 300 Wildlingen

Schon der römische Historiker Tacitus hat sie beschrieben: Die Dülmener Wildpferde sind eine hier entstandene Kleinpferd-Rasse von meist braun- oder graufalber Färbung mit dem für Wildpferde typischen Aalstrich von der Mähne bis zum Schweif. Die heutige Herde von 300 Wildlingen stammt von 20 Tieren ab, für die der Herzog Alfred von Croy im 18. Jahr-hundert ein Reservat einrichtete. Um die Folgen möglicher Inzucht bei diesem ursprünglich sehr kleinen Bestand zu minimieren, werden als Deckhengste auch polnische Koniks, die aus dem Rückzuchtprojekt für das Tarpan stammten, eingesetzt. Diese bleiben jedoch lediglich in der Zeit von Mai bis September bei der Herde. Die Herde selbst lebt in Familienverbänden, die aus verwandten Stuten und ihren Fohlen bestehen und jeweils von einer Leitstute geführt werden.

Ein Pferdeleben in der Natur

Wie jedes andere Wildtier auch leben die Dülmener Wildpferde das ganze Jahr über unter freiem Himmel. Schutz vor den Naturgewalten finden sie ausschließlich in den Wäldern. Zugefüttert wird nur in den Wintermonaten bei starkem Schneefall und die Tiere werden weder beschlagen noch tierärztlich betreut. Dieser natürliche Lebensrhythmus hält die Herde gesund, denn nur die optimal an ihren Lebensraum angepassten Individuen können sich durchsetzen und weitervererben.

Versteigerung der Hengste

Einmal im Jahr ist es mit der Ruhe im Merfelder Bruch vorbei. Immer am letzten Samstag im Mai steht der Wildpferdefang an und es strömen Tausende von Besuchern zur Wildpferdebahn nach Dülmen. In einer großen Arena wird die Herde zusammengetrieben und die einjährigen Hengste per Hand eingefangen und von der Herde separiert, um Inzucht zu vermeiden. Anschließend werden vier Hengste verlost und die anderen Tiere versteigert.

Nicht nur der Wildpferdefang lohnt einen Besuch des Merfelder Bruchs. Vom 1. März bis zum 1. November können Besucher die Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten. Geöffnet ist die Dülmener Wildpferdebahn an Wochenenden und Feiertagen bei gutem Wetter von 10.00 bis 18.00 Uhr. Für Gruppen sind Führungen auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten möglich. Weitere Informationen erhalten Sie unter 02594 963-0 oder croy@wildpferde.de.

  • Die Gewinner stehen fest!
  • Mon, 19 Jul 2010 00:00:00 GMT
  • In der Nacht vom 15. zum 16.07. war es soweit - die letzte Chance zum einsenden eines Fotos für den diesjährigen Fotowettbewerb. Mit 180 Fotos war die Teilnahme in diesem Jahr besonders groß und insbesondere die Qualität...
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