Porträt: Mylène Diederichsmeier

Dass sie zuerst Reiten und dann Laufen gelernt habe, stimmt nicht ganz. Aber viel gefehlt hat daran nicht. Immerhin ritt Mylène Diederichsmeier mit zwölf Jahren ihr erstes Turnier und zählt heute zur Weltspitze der Springreiterinnen.

Mylène Diedrichsmeier
Mylène Diederichsmeier erinnert sich noch gut an diesen ersten Wettbewerb. "Es war ein A-Springen", erzählt sie, "mein Pferd war Windsor, ein Schimmel. Ich war ziemlich aufgeregt und habe mich nach fünf oder sechs Sprüngen verritten. Ich habe dann verzichtet."

Verzichtet nur auf dieses Turnier, denn viele weitere und erfolgreiche sollten folgen. Innerhalb weniger Jahre stieg Mylène Diederichsmeier zur besten Amazone in Berlin und Umgebung auf. Einsätze bei Europameisterschaften der
Junioren und Jungen Reiter schlossen sich an.

1996, ein Jahr vor dem Abitur, erhielt sie das Goldene Reitabzeichen. "Nach dem Abitur", erinnert sich die zierliche Reiterin, "stand ich vor der Überlegung, ob der Reitsport für mich zum Beruf werden könne. Nach einer Testphase von etwa einem Jahr war die Sache für mich klar: Ich wollte dabei bleiben."

Erfolgreich bei der Riders Tour und Deutsche Meisterin

Fotos: © Marietta Grade
Im westfälischen Steinhagen, auf der Anlage der Familie Lutz und Christa Gössing, absolvierte Mylène Diederichsmeier ihre Ausbildung und stellt die Pferde des Betriebes bei nationalen und internationalen Turnieren vor. 2002 wurde sie erstmals Deutsche Meisterin der Springreiterinnen. Einen großen Schritt ins Rampenlicht machte sie als Mitglied des Audi Quattro-Teams um Kapitän Ludger Beerbaum. Dreimal gewann sie mit dem Team die Riders Tour, die vielleicht begehrteste Springprüfung überhaupt. 2005 erreichte sie bei der Tour den zweiten Rang in der Einzelwertung hinter
Meredith Michaels-Beerbaum und gewann im Folgejahr mit dem Sprehe Feinkost Team die Mannschaftswertung.

Ihr schönster Erfolg? "Schwer zu sagen," meint sie, "da gibt es so viele tolle Momente, an die ich mich gerne erinnere. Vielleicht war es das CHIO in Aachen, an dem ich als junge Reiterin 1998 teilnehmen durfte. Mein Erfolgspferd damals war Rainy Day und ich konnte tatsächlich zwei Prüfungen gewinnen - das war einfach grandios. Wie die Leute da mitgegangen sind, das war schon ein beeindruckendes Erlebnis."

Ein Händchen für schwierige Pferde

Man sagt, Mylène Diederichsmeier habe ein Händchen für schwierige Pferde - stimmt das? "Kann schon sein," lacht sie, "die Individualisten liegen mir, ich reite gerne auch schwierige beziehungsweise hoch im Blut stehende Pferde. Meine Lieblingsstute Rainy Day war sehr schwierig, sehr kompliziert im Umgang, sie ließ keinen auf sich reiten außer mir. Als ich herausgefunden hatte, wie ich mit ihr umgehen muss, da hat sie für mich alles getan. Ich habe mit ihr viele S-Springen gewonnen und irgendwie hat sie auch mich geprägt. Vielleicht reite ich deshalb am liebsten Stuten."

Als professionelle Springreiterin bevorzugt Mylène Diederichsmeier Pferde, die ehrgeizig sind, einen starken Willen haben. "Wichtig ist, dass sie keine Fehler machen wollen und Übersicht haben. Ein klarer Kopf beim Pferd ist ganz wichtig. Über den Willen können Pferde, die nicht so viel Sprungvermögen haben, mehr vollbringen, als ein Pferd, das über großes Sprungvermögen verfügt, aber nicht den Ehrgeiz hat."

Jede Woche ein Turnier

Mit diesen Tieren wird kontinuierlich gearbeitet. Sechs bis acht ihrer Turnierpferde reitet Mylène Diederichsmeier pro Tag, jede Woche steht ein Turnier an. Der Terminkalender für dieses Jahr ist wieder gut gefüllt. Leider ist Mylènes beste Stute, Countess G, erkrankt und so formuliert ihre Reiterin die Ziele für diese Reitsaison eher vorsichtig: Countess G wieder fit machen, den Ersatz für Countess G, Soloterma, nicht überfordern, die jungen Pferde aufbauen - ja, und dann die Deutsche Meisterschaft angehen und vielleicht wieder ein Sieg in Aachen."

Fragen an Mylène Diederichsmeier:

Mylène Diedrichsmeier
Hufeisen: Mylène, Sie bevorzugen für Ihren Sport Pferde, die hoch im Blut stehen. Sind dies auch geeignete Partner für Freizeitreiter?

Mylène Diederichsmeier: Ich wäre da etwas vorsichtig. Schwierige Pferde brauchen einen Reiter mit viel Einfühlungsvermögen und sie brauchen viel Bewegung. Als Freizeitpartner für den Amateurreiter sind ganz allgemein nicht so blütige Pferde besser geeignet. Sie sind ausgeglichener und leichter zu händeln. Was nicht heißen soll, dass nicht auch ambitionierte Freizeitreiter mit entsprechendem Können mit höher im Blut stehenden Pferden zurechtkommen.

Hufeisen: Die Weidesaison hat nun wieder begonnen. Wie stellen Sie Ihre Tiere beim Konditionsaufbau und beim Futter vom Winter auf den Sommer um?

Mylène Diederichsmeier: Für unsere Pferde gibt es in diesem Sinne keinen "Winter". Das heißt, wir machen keine Pause beim Training, das Springreiten ist ein Ganzjahressport. Für Hobbyreiter, deren Pferde im Winter nicht so viel Bewegung bekommen, kann ich nur empfehlen, langsam und vorsichtig anzufangen, damit weder Pferd noch Reiter überanstrengt werden. Beim Futter sollte man insbesondere darauf achten, nicht zu viel Eiweiß zu geben. Vorsichtig sein sollte man auch beim Anweiden: Pferde müssen sich erst wieder langsam ans Gras gewöhnen.

Die richtige Fütterung ist wichtig für den Erfolg. Futter von Eggersmann sorgt auch bei den Tunierpferden von Mylène Diederichsmeier für Bestleistungen.

  • Die Gewinner stehen fest!
  • Mon, 19 Jul 2010 00:00:00 GMT
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